Im Schatten der Schwarzen Sonne

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Immer, wenn ich in einer bekannten Neuigkeiten-Suchmaschine nach dem Stichwort „Neuheidentum“ suche, finde ich Meldungen über (Neo-)Nazis, Neo-)Faschisten, Rechtsextremisten usw..

So entdeckte ich dann auch, daß der britische Historiker Nicholas Goodrick-Clarke ein neues Buch geschrieben hat, welches sich, ebenso wie sein 1985 erschienenes und mancherorts als „Standardwerk“ gepriesenes Buch „Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“, mit den esoterischen bzw. religiösen Grundlagen rechtsextremer Gruppen und Ideologien befasst.

Das neue Buch „Im Schatten der Schwarzen Sonne: Arische Kulte, Esoterischer Nationalsozialismus und die Politik der Abgrenzung“ erschien bereits im Januar im Marixverlag.

Walter Laqueur schrieb über das Buch:

„Nicholas Goodrick-Clarkes vorige Studie erkundete die bis dahin kaum bekannten okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus. In seiner jüngsten Veröffentlichung leistet er die gleiche unschätzbare Pionierarbeit für die ideologischen Hirngespinste der Neofaschisten nach 1945.“

Der Verlag beschreibt den Inhalt des Buches:

„Der neue Nazismus kommt metaphysischer daher als der alte. Es beginnt in den 1970er Jahren und verstärkt sich in den 1990ern: militante Fremden- und Minderheitenfeinde reichern ihre Propaganda mit Elementen des Mystischen, Esoterischen, ja fast Religiösen an. Konspirative Kulte und Geheimlehren sollen dem eigenen Tun – und dem der bewunderten Vorgänger – höhere Weihen verleihen. Der Autor hat den rechtsradikalen Untergrund umfassend erforscht. In vielen Gesprächen erkundete er die Weltanschauung der einschlägigen Politsekten und spürte den Quellen nach, aus denen sie sich Inspiration holen. Im Schatten der Schwarzen Sonne dokumentiert ihr geistiges Rüstzeug, beleuchtet Mentalität und Motivation der Beteiligten. Was treibt jene um, die heute Adolf Hitler und seine Ideen nicht nur verehren, sondern dazu noch mythisch-sakral verklären, und wer sind diese späten Jünger? Das Buch gibt detailliert und wohlfundiert Antwort. Dabei lässt der Verfasser die Propheten einer indisch-nordischen Ariermystik ebenso Revue passieren wie rassistische Skinheads, braune Satanisten, Teile der Heavy-Metal-Szene und okkultistische Literaten.“

In dem Buch findet sich eine interessante Behauptung des Autors, die auch gut zu unserer Meldung von gestern passt:

„Wenn Rechtsextreme politisch nicht weiterkommen, greifen sie gern ins Metaphysische, um ihren Gedanken sozusagen höhere Weihen und damit mehr Zugkraft zu verleihen. Mystik macht zumindest interessant“

Das kann ich aus vielfacher eigener Erfahrung bestätigen.

Armin Pfahl-Traugber hat das Buch für den Humanistischen Pressedienst gelesen und seiner Rezension den Titel „Rechtsextreme Metaphysik“ gegeben. Aus seinem Beitrag stammt obiges Zitat von Goodrick-Clarke und die Information, daß neben dem „rassistischen Neoheidentum“ u.a. immerhin auch die Christian-Identity-Bewegung erwähnt wird.

Hmm, gut, ich hatte nicht ernsthaft erwartet, dieses Buch würde sich mit den unzähligen christlichen Wurzeln von Rechtsextremisten befassen, obwohl es nach eigener Aussage die Absicht des Verfassers ist, mit dem Buch den Quellen der rechtsextremen Ideologie nachzuspüren. Dabei gibt es doch m.E. für Obrigkeitshörigkeit, Homophobie, Unterdrückung von Frauen und Minderheiten, Militarismus usw. viel zu viele Beispiele aus dem monotheistischen Bereich, als daß man das ignorieren dürfte.

PS: Eben entdecke ich, daß es das Buch „Die okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ von Nicholas Goodrick-Clarke jetzt auch erheblich preisgünstiger zu kaufen gibt.

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Eine Antwort to “Im Schatten der Schwarzen Sonne”

  1. Heimrekkur Says:

    Na ja, der ehemalige Messdiener Adolf selig wird ja wohl nicht ohne Grund bis an sein unseliges Ende treu ud brav römisch-katholische Kirchensteuern bezahlt haben, gell? Aber dem Verfasser scheint wohl auch das entgangen zu sein.

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