Arminius, Che Guevara, Pol Pot und Ho Chi Minh

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Kann man Arminius mit Pol Pot und Ho Chi Minh vergleichen? Richard Herzinger hat es am 12. April in der WELT getan und mir damit endlich die lang erhoffte Gelegenheit gegeben, Euch dieses Bild zu zeigen:

Che Arminius als T-Shirtaufdruck

Che Arminius als T-Shirtaufdruck

Dieses Motiv auf T-Shirts und auch Tassen bekommt man nicht nur im LippeLaden, sondern u.a. im Lippischen Landesmuseum.

Es ist ja, betrachtet man die wenigen historischen Fakten ohne die Mythisierung der vergangenen beiden Jahrhunderte, schon etwas schwierig, aus Arminius so ohne weiteres einen Freiheitskämpfer zu machen. Diese Gleichsetzung mit Che Guevara halte ich aber für extrem weit hergeholt.

Oder vielmehr, ich hielt es bis gestern für extrem weit hergeholt, als ich nämlich auf den Artikel „Wir stehen den Römern näher als den Germanen“ von Richard Herzinger in der WELT vom 12. April stieß.

Ich zitiere mal den Herrn Herzinger:

„… Arminius, der abtrünnige römische Offizier, der in Rom erzogen worden war, unterband in seinem Herrschaftsgebiet sogar die Einfuhr von Olivenöl und Wein aus Italien.

Arminius war von der westlichen Zivilisation bereits durchdrungen gewesen und verwandelte die Vertrautheit mit ihr in Hass gegen sie: Darin ähnelt Arminius auf den ersten Blick modernen ‚Antiimperialisten‘ wie Ho Chi Minh und Pol Pot. …“

Herr Herzinger nennt sie nicht, also frage ich hier, ob jemand Quellen und vielleicht sogar Hintergründe für das genannte Einfuhrverbot nennen kann?

Übrigens „entlastet“ Herr Herzinger im nächsten Satz des Artikel Arminius gleich von der Ähnlichkeit „auf den ersten Blick“ mit den asiatischen „Antiimperialisten“:

„Doch nichts deutet darauf hin, dass der Cheruskerführer bei seinem Kampf gegen Roms Vorherrschaft von einer frühen nationalen Einigungsidee und nicht nur von persönlichem Machtstreben motiviert war. …“

Tolle Entlastung, was?

Dabei sollte es in dem Artikel eigentlich um die Sorgen gehen, die sich der Politikhistoriker Herfried Münkler in seinem Buch „Die Deutschen und ihre Mythen“ darüber macht, daß die Deutschen nicht über gemeinschaftsstiftende nationale Mythen verfügen.

Stattdessen erläutert Herr Herzinger lang und breit, warum Arminius für seine, also Herrn Herzingers Vorstellung von Deutschland eine völlig ungeeignete Grundlage für einen Nationalmythos ist und wäre. Da müssen dann schon mal extreme Vergleiche herhalten.

Finde ich das wirklich besser als die deutschtümelnde und von nationalem Pathos triefende Auffassung, mit der Arminius früher zum Ur-Helden der deutschen Nation gemacht wurde und auch heute noch von manchen gemacht werden soll? Nein danke!

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3 Antworten to “Arminius, Che Guevara, Pol Pot und Ho Chi Minh”

  1. Andreas Says:

    Ich bin sicher einer der letzten der fachlich qualifiziert ist eine fundierte Aussage dazu zu machen. Aber eine Frage zum ersten Absatz des Zitats habe ich.

    Wenn das so stimmt warum wurden dann soviele römische Beigaben in den germanischen Gräbern gefunden die eindeutig dem römischen kulturkreis zu zuordnen sind?

    • Dorothee Says:

      Beute.
      Warum sollte Mann / Frau diese wegwerfen.
      Es ist doch menschlich , den Feind abzulehnen, aber seine techn. Errungenschaften zu nutzen ( Siehe Ablehnung des Westens , aber Nutzung der Moderne )

  2. Andreas Says:

    eben, eben Doro… so ist es auch überall brauch gewesen, bei allen Völkern und Nationen

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