Der Kampf von Herrn Fastnacht gegen Frau Fasten

by

Als Kind habe ich mich vermutlich auch gerne verkleidet, doch schon als Jugendlicher fand ich Fasching oder Karneval nur „ätzend“ – und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Liegt es daran, daß ich als „Preusse“ mit diesem „rheinischen Gedöns“ nichts anfangen kann? Oder ist es eher der germanische Neuheide in mir, der sich mit einem Fest aus dem kirchlichen Kalender nicht anfreunden kann?

In den letzten beiden Jahrzehnten lernte ich viele Versuche kennen, Fasching als alleiniges Überbleibsel germanischen Heidentums oder wenigstens irgendeines Heidentums zu deuten.

Und ja, vieles, was wir heutzutage mit diesem Begriff verbinden, passt so überhaupt nicht zu dem Christentum, wie es heute in Deutschland praktiziert wird. Oder passen Spaß, Ausgelassenheit und sexuelle Freizügigkeit irgendwie zum Christentum?

Andererseits erschienen mir einige der „germanischen“ Herleitungen schon als sehr „gewollt“ – nicht viel anders müsste man wohl argumentieren, um den Mond zu einer Kugel aus blauem Käse zu erklären. 😉 Aber möglicherweise lag es auch an der Zeit, aus der viele diese Deutungen stammen.

„Noch vor dem Zweiten Weltkrieg waren – wohl auch gesteuert und geprägt durch das NS-Regime – die damaligen Brauchtumsforscher mehrheitlich der Ansicht, dass es sich in erster Linie um überlieferte Bräuche unserer heidnischen Vorfahren, der Germanen, handle.“

Dieser Satz aus einem Artikel der Badischen Zeitung beleuchtet einen Aspekt des Dilemmas. Aber auch Géza von Neményi, um ein andersgeartetes Beispiel zu nennen, macht es sich m.E. etwas zu einfach, wenn er in „Die Wurzeln von Weihnacht und Ostern: Heidnische Feste und Bräuche“ ohne Belege in Bezug auf das Wort „Fasnacht“ behauptet: „Die Kirche deutete den Begriff um und machte daraus die Fastnacht …, also das Fest vor der Fastenzeit“.

Ob ich allerdings dem Rest des Beitrages aus der heutigen Badischen Zeitung,  „Der Kampf von Herrn Fastnacht gegen Frau Fasten“ glauben soll, das weiß ich noch nicht so recht.

Denn die These der Volkskundler Dietz-Rüdiger Moser und Werner Mezger, „dass sich das ganze fastnächtliche Geschehen auf das ‚Zwei-Staaten-Modell‘ des christlichen Kirchenlehrers Augustinus (354 bis 430) zurückführen“ lasse, die erscheint mir irgendwie nicht weniger weit hergeholt als so manche Germanentümelei.

Denn immerhin gibt es recht deutliche „heidnische“ Hinweise aus der Etymologie und auch aus den heidnischen Festkalendern, in denen es exakt in der fraglichen Zeit von Festen wie Disting oder Disablot, Froblot und Imbolc förmlich „wimmelt“.

Aber eigentlich ist es auch egal: Feiert doch die Feste, wie sie fallen!

PS: Der etwas seltsame Titel meines Artikels sowie des Artikels der Badischen Zeitung bezieht sich auf das Gemälde „Der Kampf zwischen Karneval und Fasten“ von Pieter Brueghel dem Älteren, auf dem man genau diesen Kampf zwischen Herrn Fastnacht und Frau Fasten sehen können soll.

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

4 Antworten to “Der Kampf von Herrn Fastnacht gegen Frau Fasten”

  1. Andreas Says:

    Wo nun die Ursprünge genau liegen das den karneval, die fasenacht oder wie immer es betitelt ist liegen? keine Ahnung. Was ich aber sicher weiss ist.. das nichts was der Ursprung einmal gewesen sein malg, nichts davon hat irgendetwas mit den selbstgefälligen achso kritischen büttenreden und funkenmariechengehampel zu tun hat dieser „bigotte“ selbstdarstellung ist spiesbürgerliche moralnische um endlich mal frei aller moralischern werte dem nachzugehen was sonst als unzucht und verderbnis gebrandmarkt wird.
    Auch bei mir mags daran liegen das ich keine reinische frohnatur bin.. aber wenn mir einer ein helau oder allav zuwirft, werf ich ne kokusnuss zurück aber volle pulle dann hat er seine karmelle..

  2. langerheide Says:

    Also Andreas, von der Sache mit der Kokosnuss muss ich Dir dringend abraten! Das würde auf schwere Körperverletzung hinauslaufen.

    Aber sonst … nein, da werde ich Dir nicht widersprechen.

  3. Svear Says:

    Ist schon komisch, wer feiert denn eigentlich noch Fastnacht? Sind das etwa doch nur die Leuts die auch auf Volksfeste nur aus dem Grund gehen um sich zu besaufen? Ich fürchte die brauchen weder christliche noch heidnische Ursprünge. Mich widert dieses künstliche Getue an.
    Also ich für meinen Teil ersehne mir den Aschermittwoch. Der höchste Feiertag des Antikarnevalisten!

  4. Andreas Says:

    schmunzel.. das mit der kokosnuss war auch mehr scherzhaft.. wer läuft schon mit ner tüte kokosnüsse durch den karneval

Kommentare sind geschlossen.


%d Bloggern gefällt das: