Odin statt Jesus? Ja, schon, aber …

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In verschiedenen Online-Publikationen (Nibelungen-Kurier, Linie1) wird derzeit Bezug auf ein neues Buch des Germanisten Georg Schuppeners genommen: Sprache des Rechtsextremismus.

So wird berichtet, daß sich Sonnwendfeiern wieder im „Dunstkreis“ der Rechtsextremen finden, daß die germanische Religion für diese Menschen zu einem „Religionsersatz“ werde usw. Bei Linie1 (s.o.) heißt es gar: Der Rückgriff auf die Germanen gehe mittlerweile so weit, dass junge, allzu deutsch empfindende Frauen ihren Kindern wieder germanische Namen gäben.
Gerade dieses Zitat ist mehr als lachhaft: Bemäkelt irgendwer, wenn deutsche Eltern ihre Kinder „Diego“ oder „Cedric“ nennen?

Aus Sicht der Alten Sitte muß man zweierlei unterscheiden: Das ist zum einen die Benutzung der germanischen Mythologie durch Menschen mit politischer Ausrichtung, zum anderen die mediale Berichterstattung über diese Menschen.

Daß jemand sich zur germanischen Religion bekennt, germanische Götter anerkennt und ehrt, das hat zunächst mit Politik nichts zu tun. Folglich können politisch extrem links oder rechts stehende Menschen gleichwohl geeint sein im Kult der germanischen Götter. Nun ist jedoch gerade bei der Alten Sitte kein klarer Trennstrich zwischen Religion und sonstigen gesellschaftlichen Institutionen zu ziehen. Die „Sitte“ umfaßte früher sowohl den Kult als z.B. auch das Recht. Hier scheiden sich dann die rechtsextremen von den restlichen Geistern, denn wer Diktatur und Führerkult propagiert, steht damit außerhalb dessen, was sich historisch für die Germanen belegen läßt. Nicht zuletzt deshalb spricht man vom „Thing“ als der ersten demokratischen Tradition im Norden.

Somit kann jede beliebige Person jeder politischen Couleur natürlich Anhänger germanischer Götter sein, aber bei den Gesellschaftsutopien scheiden sich die Geister. Sie scheiden sich natürlich auch da, wo die einen von Rassen faseln, während die anderen – historisch korrekter – Gefolgsschaftssysteme bemühen und die liberalen Traditionen germanischer Stämme aufgreifen. Wer im Ritualkreis steht und opfert, der gehört dazu – egal welche Wurzeln er hat. Er hat das Recht zu opfern, aber auch die Pflicht, die Gemeinschaft und die Götter zu achten.

Diese Differenzierungen gehen leider in den Medien häufig unter. Ohne Rückfragen, ohne Minimalrecherche wird der Stempel „rechtsextrem!“ auf alles gedrückt, was auf den ersten Blick so aussieht. Wer zu Rassenhaß aufstachelt oder sich in größenwahnsinnigen 4.-Reich-Visionen ergeht und sich dazu der germanischen Mythologie bedient, der mißbraucht meine Religion. Das muß man immer wieder – so auch an dieser Stelle – in die Weiten des Netzes hinausposaunen.

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Eine Antwort to “Odin statt Jesus? Ja, schon, aber …”

  1. Wichtelmeister Says:

    Ja, dieses Buch samt Rezensionen sind schon wieder der Hammer. Sensationen und Skandale verkaufen sich nunmal besser als „Ottonormalheiden“ von nebenan. Gerade deswegen kann ich jedes Wort deines Artikels unterschreiben, auch wenn ich persönlich der ewigen Abgrenzerei vom Rechtsextremismus müde bin – es will anscheinend eh kaum einer zur Kenntnis nehmen, wie dieser Herr Germanist (haha) wieder eindrucksvoll beweist.

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