Ärgerlich

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Adolf Hitler hat den Weg in den Cyberspace gefunden. Nein, er sendet nicht von Neuschwabenland.net aus, er hat bei der taz ein Blog: Hitlerblog. Ob das Sinn macht, gar „lustig“ ist oder doch so unnötig wie ein Kropf, das mag jeder selbst entscheiden. Der heutige Eintrag dort ist eher ärgerlich: Hakenkreuzzüge – Das Futhark der Rechten. Nicht nur, daß hier altbekannte Sprachklauseln wie die „14 words“ aufgewärmt werden, der Autor dünkt sich besonders klug, indem er die Vokabel „Futhark“ einbaut – wie in Alphabet der Germanen = Futhark. Futhark nennt man Runenalphabete nach ihren 6 Anfangsrunen Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho und Kenaz.

Das Ärgerliche hieran ist: der Blogschreiber will eine „coole Vokabel“ einfließen lassen, sein großes „Insiderwissen“ anbringen, merkt aber gar nicht, daß den 14-words-Schreibern, Reichskriegsflaggenschwenkern und ZOG-Gläubigen das Wort „Futhark“ vielleicht gar nicht mal so bekannt sein mag. Das liegt daran, daß die rechtsextreme Szene oft nur rudimentäre Kenntnisse germanischer Religion und Mythologie hat, und wer da „Futhark“ kennt und richtig schreiben kann, ist quasi schon ein Obermotz.

Umgekehrt ist der Futhark-Begriff ein Standard bei den Neuheiden, die sich intensiv – und abseits der Tagespolitik – mit den verschiedenen, historischen Runenreihen beschäftigen. Durch die Verknüpfung dieses Begriffes mit dem restlichen Text im „Hitlerblog“ wird einmal mehr eine scheinbare Verbindung zwischen Rechtsextremismus und (germanischem) Neuheidentum gezogen.  Das ist tatsächlich so unnötig wie ein Kropf – und der Blogschreiber mag sich eine mentale Notiz machen.

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4 Antworten to “Ärgerlich”

  1. Daniel Says:

    Es hilft fast immer den zentralen Link im Beitrag anzuklicken. Runen et al sind in der erwähnten Broschüre des Verfassunungsschutz Berlin/Brandenburg nämlich eines der größeren Unterkapitel. Im Übrigen hilft auch lesen: Ich „wärme“ in diesem Beitrag gar nichts auf, ich weise auf die m. E. interessanten Abschnitte eben jener Publikation hin. Für die weitere Kommunikation zur Beschwerde empfehle ich daher:

    Herausgeber: Senatsverwaltung für Inneres und Sport
    Abteilung Verfassungsschutz

    Anschrift: Potsdamer Str. 186, 10783 Berlin
    Tel.: (030) 90 129 – 0
    Fax: (030) 90 129 – 844
    Internet: http://www.verfassungsschutz-berlin.de
    E-Mail: info@verfassungsschutz-berlin.de

    Viel Vergnügen und Erfolg,

    Daniel

  2. altesitte Says:

    Das Aufwärmen bezog sich darauf, daß solche Broschüren hinlänglich bekannt sind – u.a. dank der etlichen staatlich finanzierten Initiativen „gegen Rechts“. Ob 14, 18 oder 88 – in manchen Städten kann man ja nicht mal mehr ein Autokennzeichen mit einer 88 drin registrieren.
    Daß die Senatsbroschüre auch den Begriff Futhark erwähnt, tut ja nichts zur Sache. Dort wird der Begriff in einem aufklärerischen Sinne verwendet, während die Blogüberschrift rein utilitaristisch ist und die Verwendung in diesem – sehr ins Auge fallenden – Sinne wurde von mir kritisiert. Der Begriff „Futhark“ ist eben m.E. ein Fachterminus aus dem vorwiegend neuheidnischen Bereich – und gerade kein Begriff der extremen Rechten. Der Blogeintrag verknüpft das.

  3. Daniel Says:

    Dass der Begriff „Furthark“ ein Fachterminus der Neudheiden, nicht aber der Rechten sei, das halte ich für Wunschdenken. Ich verstehe schon, dass es schön wäre, wenn dem so wäre; faktisch sind Runen aber auch integraler Bestandteil von rechter Kultur in Deutschland. Und dass der Verfassungschutz darauf hinweist, dass eine Sig-Rune nicht nur ein nettes, neuheidnisches Zeichen ist, das finde ich gut und richtig – und eben nicht nur „Hinlänglich bekannt“.

  4. langerheide Says:

    Die Sig-Rune als solche ist tatsächlich NUR ein Zeichen von Rechtsextremen und gehört auch nur zur rechtsextremen Spielart des Neuheidentums. Mit den Germanen und dem an den tatsächlichen Überlieferungen und der wissenschaftlichen Forschung orientierten germanischen (Neu-)Heidentum hat sie nicht zu tun.

    Sie wurde in dieser Form und mit der damit verbundenen Bedeutung Ende des 19. bzw. Anfang des 20. Jahrhunderts von einem österreichischen antisemitischen Esoteriker erfunden, wie alle von den Nazis verwendeten Runen.

    Insofern würden wir Heiden uns freuen, wenn staatliche Stellen und Journalisten sauberer zwischen dem knapp hundert Jahre alten und von völkischen und antisemtischen Gruppen verwendeten „Armanen-Futhork“ und den von der Archäologie ermittelten echten germanischen Futhark-Reihen unterscheiden würden, mit denen wir Heiden uns beschäftigen.

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