Neuheidnische Bestattung?

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Laut dem „Domradio“ hat der Rottenburg-Stuttgarter Bischof Fürst die Bestattung in sogenannten Friedwäldern in dem Sinne kritisiert, daß sie „etwas neuheidnisches“ hätte. Die anonyme Bestattung sei „unvereinbar mit der christlichen Vorstellung von der Einzigartigkeit der Person„.

Das ist nicht die erste Kritik von Kirchenseite zum Konzept dieser alternativen Bestattungsform, wie z.B. eine Google-Suche schnell zeigt.

Beim Friedwald-Konzept wird die Leiche zunächst verbrannt, die Urne wird dann in einem speziell als Friedhof ausgewiesenen Waldstück an den Wurzeln eines Baumes vergraben. Weder Name noch Grabschmuck deuten später auf den Bestattungsort hin, lediglich den Baum können sich die Angehörigen merken (bzw. anhand einer Markierung finden), um einen Ort des Gedenkens zu haben („Familienbaum“). Es ist keine völlig anonyme Bestattung, aber doch weitgehend anonymisiert. Genau das kritisiert offenbar der Bischof, denn mit der Einzigartigkeit der Person verbindet er offenbar auch das Anbringen des Namens an einer Grabstätte. Aber selbst im kurzen Wikipedia-Artikel wird darauf hingewiesen, daß die Friedwaldbestattung („Naturbestattung“) eben nicht mit einer anonymen Bestattung zu verwechseln sei.

Im Friedwald-Konzept scheint es in den letzten Jahren eine Änderung gegeben zu haben. Vor längerer Zeit las ich auf den Seiten, daß man z.B. ein Kreuz als religiöses Zeichen am (eigenen) Baum anbringen könne. Ich hatte mich damals an Friedwald gewandt, um nachzufragen, ob auch andere Symbole (Thorshammer, Runen) erlaubt seien. Auf diese Anfrage hat die Friedwaldgesellschaft leider nie reagiert. Heute lese ich, daß jede Art von Grabschmuck (Blumengebinde, Sträuße, Kränze usw.) nicht erlaubt sei. Von Kreuzen habe ich aktuell auf der Friedwald-Seite nichts mehr gelesen – vielleicht hat man sich so aus der Affaire gezogen.

Wie ist das nun mit der Einzigartigkeit der Person und der „neuheidnischen“ Bestattung?
Zum einen hat sicher jeder Heide den Spruch aus den Havamal bzgl. „der Toten Tatenruhm“ im Ohr. Damit soll gesagt werden: wer sich im Leben Ruhm erarbeitet, über den wird man nach dem Tod noch sprechen. Das macht Sinn – sonst würden wir auch über Beethoven und Goethe nicht mehr sprechen. Wie diese Herren bestattet wurden, ist dabei aber völlig einerlei.

Auf der anderen Seite ist der Ausdruck „Einzigartigkeit der Person“ kein zentraler für das Neuheidentum – da hat der Bischof sicher Recht. Wir sind eben nicht einzigartig, sondern in eine lange Ahnenreihe eingebunden, die sich durch uns in unseren Kindern fortsetzt. Dieser „Fluß des Lebens“ ist es, der Fortbestand der Sippe, der zählt, nicht das konkrete Leben des Einzelnen. Das mag zynisch oder auch nur ungewohnt klingen, ist für germanische Neuheiden aber eine übliche Sichtweise. Gerade hier ist der Friedwald mit dem Konzept des „Familienbaums“ und der völlig freien Gestaltung der Trauerfeier für Heiden sehr interessant.

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7 Antworten to “Neuheidnische Bestattung?”

  1. langerheide Says:

    Jedes Jahr finden auf deutschen Friedhöfen zigtausende wirklich anonyme Bestattungen statt. Da ist oft sogar ein Pfarrer dabei.

    Das stört diesen Bischof vermutlich überhaupt nicht, obwohl man von den dort bestatteten Personen dann wirklich nur noch eine große Wiese mit einer Jahreszahl hat. Das ist wirklich anonym, da bleibt von den einzigartigen Individuen überhaupt nichts als die Erinnerung.

  2. altesitte Says:

    Vielleicht muß man den Begriff „Anonyme Bestattung“ genauer definieren. So kann man sich hier in unserer Region auf einer Bestattungswiese direkt am Krematorium beerdigen lassen. Dennoch ist die Lage der Urne auch im Nachhinein auf ca. 50cm genau bestimmbar – obwohl nirgendwo ein Name steht. Was ist also Anonymität in diesem Sinne? Ist es nur der fehlende Name am Platz der Urne? _Völlige_ Anonymität kann es nicht geben, da dies die Bestattungsgesetze nicht zulassen. Es muß nachvollziehbar sein. wohin eine Leiche „verschwunden“ ist. Hier sei auch auf die Diskussion verwiesen, daß man die Urne mit den Ascheresten den Verwandten zur privaten Bestattung oder Aufbewahrung aushändigt. Auch diese Diskussion wird in dem Sinne geführt, daß man so u.U. die Würde des Toten nicht garantieren können, wenn die Urne beispielsweise auf dem Dachboden neben Unrat und ausgesondertem Zeugs „lagert“.
    Im Sinne des Bischofs ist Anonymität wohl schon dann gegeben, wenn der Name nicht direkt auch am Ort der Bestattung ablesbar ist. Aber was ist mit den zahlreichen Seebestattungen?
    Letztlich ist dies eine typische Diskussion – typisch aus Sicht einer Kirche, die ihre Felle fortschwimmen sieht.

  3. langerheide Says:

    Erstmal muss ich mich korrigieren: Im entsprechenden Wikipedia-Artikel steht, daß die Kirche anscheinend an jeder anonymen Bestattungsform Kritik äußert.

    Zwei Verwandte von mir liegen unter großen Wiesen, an deren Rand sich Jahreszahlen befinden. Da gibt es keine einzelnen Gräber oder Urnengräber ohne Namen, sondern tatsächlich nur eine Wiese.

  4. highmoe Says:

    Naja, die ev. Kirche hält sich zumindest beide Optionen offen, in dem sie hier in Bayern das Konzept sozusagen unterwandert.

  5. Langer Heide Says:

    Hmmm, solch eine „Unterwanderung“ sollte es in Berlin oder Brandenburg auch mal geben. Eine Kirchengemeinde wollte die großen Bäume am Rande ihres Friedhofs sozusagen als Mini-Friedwäldchen zur Verfügung stellen. Das wäre zwar nicht das Gleiche gewesen, hätte aber den großen Vorteil gehabt, daß es problemlos mit dem Bestattungsgesetz kompatibel wäre.

    Keine Ahnung, ob aus dieser Idee, welche der Kirche sicherlich etwas Geld eingebracht hätte, etwas geworden ist.

  6. wilderer Says:

    Bestattungsgesetz …. *kopfschüttel*

  7. highmoe Says:

    Ja, Wilderer, bei euch im Land kann man da auch nur mit dem Kopf schütteln…

    Ich habe eine Bekannte in der Schweiz, nur wenige Kilometer hinter der Grenze, die hat die Urne ihres Vaters im Garten. Und weil er ein großer Freund Afrikas war und einen großen Teil seines Lebens dort verbracht hat, ruht sie unter einem großen steinernen Elefanten. Bei uns verboten und nur auf illegalen Umwegen realisierbar.
    Sowas ermöglicht schon einen ganz anderen Kontakt zu den eigenen Ahnen…

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